Teil IV: “Ottolenghi Simple”

Namics’ inoffizieller Buchclub prĂ€sentiert: 5 BĂŒcher zur persönlichen Weiterentwicklung - oder der deines Unternehmens - wĂ€hrend der Corona-Zeit

“Es gibt nur zwei Möglichkeiten, menschliches Verhalten zu beeinflussen: man kann es manipulieren, oder man kann es inspirieren.” (Simon Sinek) Die meisten Menschen bei Namics (mich eingeschlossen), fingen hier an zu arbeiten weil sie sich wĂ€hrend des Bewerbungsprozesses inspiriert von ihren potentiellen neuen Kollegen fĂŒhlten. Mir wurde das wieder einmal bewusst, als letztes Jahr auf ganz natĂŒrliche Weise ein inoffizieller Buchclub entstand. Wir waren eine Gruppe, die ĂŒber mehrere Standorte verteilt begann BĂŒcher auszutauschen die wir geliebt hatten, die uns grĂŒbeln oder den Wunsch, ĂŒber den Inhalt zu diskutieren verspĂŒren ließen.

FĂŒr Viele von uns bedeutet die Corona-Krise vor allem “mehr Zeit”: kein Pendeln zur Arbeit mehr, fĂŒr einige weniger oder sogar gar keine Arbeit, keine großen Reisen oder AktivitĂ€ten sind mehr möglich. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge ĂŒber das man sich Sorgen machen könnte, vor allem wenn man die Zeit hat, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Unsicherheiten ĂŒber die eigene Gesundheit und die von Nahestehenden, aber auch finanzielle Probleme sind Themen fĂŒr uns.

Ich möchte dich hiermit dazu inspirieren, dir weniger Sorgen zu machen und stattdessen mehr zu lesen. Diese 5 Buchempfehlungen werden dir nicht nur eine Möglichkeit geben, die Zeit zu fĂŒllen, sondern dich auch motivieren und möglicherweise sogar inspirieren! Die Lektionen sind sowohl anwendbar auf die persönliche Weiterentwicklung als auch auf die Verbesserung deines Arbeitslebens - unabhĂ€ngig von deiner Rolle, deines Status oder professionellen Sektors. Zum besseren Einstieg teile ich zu jedem Buch passend eine persönliche und eine professionelle Perspektive. Startklar?

Auf geht’s!

“Ottolenghi Simple”

smile simple!

Moment, ist das ein Kochbuch? Jetzt ist sie verrĂŒckt geworden
 Obwohl VerrĂŒcktheit ein hochinteressantes Thema ist, wĂŒrde ich an dieser Stelle lieber ĂŒber Zitronen sprechen. Denn wenn dir das Leben Zitronen gibt, nutze sie mit Bedacht!

Meine persönliche Erfahrung in Bezug auf “Ottolenghi - SIMPLE”

ZunĂ€chst sollte ich wohl erwĂ€hnen dass ich mich selbst fĂŒr sehr talentiert in vielen Bereichen halte (motivierende SelbstgesprĂ€che sind so wichtig!). Die KĂŒche gehört hier allerdings nicht dazu. Ich habe bewusst den Grossteil meines bisherigen Lebens damit verbracht, mich nicht als gute oder gar adequate Köchin wahrzunehmen, und dieses Selbstbild einer kompletten Katastrophe vor dem Herd scheint mir bisher nicht geschadet zu haben. Schliesslich kann man gut von KĂ€sebrot und dem gelegentlichen Nudelteller leben, oder?!

Meine Schwester hatte bereits versucht, mich vom Gegenteil zu ĂŒberzeugen. Ich habe immer noch das handgeschriebene Kochbuch mit Familienrezepten von ihr, von Salatdressings bis hin zu Kuchen ist alles dabei. Besonders schön ist das erste Kapitel, welches sie “Tipps & Tricks” nannte, in dem sie beschreibt welche GewĂŒrze und Saucen ich immer im Schrank haben sollte. Ich sah es eher als nette Geste und weniger als einen nervösen Versuch meiner Familie, sicherzustellen dass ich mich selbst versorgen könne. Und obwohl ich das Buch immer mal wieder in der Hand hatte seit ich es bekam, hat das Kochen wĂ€hrend meiner Studentenjahre doch nie Fuss in meinem Alltag gefasst. Einer der GrĂŒnde mag sein, dass die deutsche KĂŒche nicht wirklich bekannt fĂŒr ihre spektakulĂ€ren Variationen im Geschmack ist, besonders wenn man sich auf vegetarische Gerichte beschrĂ€nken muss (bei mir der Fall). Als ich also nach dem Studium mit ein paar portugiesischen Speisen bekannt gemacht wurde, war ich begeistert davon, was ein paar Extra-Aromen mit einem einfachen Rezept machen können (Anmerkung: zu dieser Zeit kochte ich immer noch nicht wirklich selbst. Ich beziehe mich hier ausschliesslich auf die Erfahrung, gekaufte Speisen zu probieren). Piri-piri zum Beispiel ist ein sehr effektives Werkzeug, wenn man “seinem Leben etwas WĂŒrze” verleihen möchte. Aber auch die simple, jedoch vielseitige Kombination Zwiebel-Kartoffel-Petersilie ist etwas, das man oft in der portugiesischen KĂŒche findet, und es ist eine erfrischende Beilage zu deftigeren HauptgĂ€ngen. Besagte Petersilie wurde also zu einem meiner ersten Freunde als ich mich gezwungen sah, öfter fĂŒr mich selbst zu kochen. Denn wĂ€hrend meiner Zeit in Portugal konnte ich es mir nicht leisten, oft ausserhalb zu essen. Ich experimentierte ein bisschen mit dem, was die mediterranen SupermĂ€rkte zu bieten hatten, aber abgesehen von dem Fakt dass ich immer Massen kochte (wofĂŒr ich schnell einen Ruf auf der Arbeit bekam), entwickelten sich meine FĂ€higkeiten nicht wirklich in eine bestimmte Richtung weiter.

Mit “Ottolenghi - SIMPLE” Ă€nderte sich das ein bisschen. Dieses Mal muss ich meinem Schwager danken. Selbst ein enthusiastischer Koch, war es sein Weihnachtsgeschenk fĂŒr mich in 2018. Obwohl es “simpel” im Titel hatte, schienen mir anfangs die Rezepte doch seeeehr fortgeschritten. Die orientalische KĂŒche war ausserdem unfassbar neu (und doch so lecker!) fĂŒr mich. Aber ich hatte das GefĂŒhl ich mĂŒsste zeigen, wie sehr ich die Geste schĂ€tzte - also musste ich tatsĂ€chlich ein paar dieser Rezepte ausprobieren und Beweisfotos an die Familie schicken.

Und jetzt rate mal, was ich herausfand:

Jeder. Kann. Nach. Rezept. Kochen. Und das, liebe Leute, ist euer Kalenderspruch fĂŒr diesen Blogeintrag! So kompliziert die “simple” Version eines Kochbuchs mir erschien - indem ich die Anweisungen befolgte war ich tatsĂ€chlich fĂ€hig ein schmackhaftes Gericht zu zaubern. Ich fand heraus, dass frische KrĂ€uter einen erheblichen Unterschied in einer Speise machen, im Vergleich zu getrockneten KrĂ€utern. Ich lernte, dass ein kleines bisschen frischer Zitronensaft jedermanns Herz zum hĂŒpfen bringt, in fast jedem Rezept. Und ich erfuhr das, obwohl es wohl nie eine meiner Königsdisziplinen werden wird, ich mich mit stetiger Übung verbessere, und das Resultat mehr geniessen kann eben weil ich darin investiere, besser zu werden. Jetzt, wo wir alle mehr Zeit drinnen verbringen, möchte ich alle dazu animieren das alte Kochbuch aus dem BĂŒcherregal zu holen. Gib’ ihm eine neue Chance. Und nicht vergessen: sauer macht lustig!

Wie dein Unternehmen davon profitieren kann, wenn du  “Ottolenghi - SIMPLE” ‘liest’

Es gibt hier fĂŒr mich drei Lektionen aus diesem Kochbuch, die man mit ins Berufsleben nehmen kann.

1. "Simpel” bedeutet fĂŒr jeden etwas anderes.

Die Autoren von Ottolenghi wissen das, weshalb sie sich drei Eigenschaften ĂŒberlegt haben, um die Rezepte zu kategorisieren. FĂŒr manche bedeutet “simpel”, dass man sein Essen in nur kurzer Zeit zubereiten kann. FĂŒr andere, dass man nicht viele Zutaten einkaufen oder gelagert haben muss. Und wieder ein anderer bevorzugt es vielleicht, seine Gerichte Stunden oder Tage vorher zuzubereiten, um sie dann ohne Stress zu geniessen. Wir sind alle anders und nehmen Einfachheit daher auch unterschiedlich wahr. Wie oft hast du schon versucht, einem Kollegen eine “simple” Idee zu vermitteln, und nichts als Verwirrung zur Antwort bekommen? Ich habe diese Erfahrung erst vor Kurzem mit einem Teammitglied gemacht, weil wir uns nicht einig ĂŒber die Strukturierung von Aufgaben werden konnten.

SimplizitĂ€t fĂŒr mich bedeutet: automatisierte Formeln, digitale Dokumente die verschiedene Aspekte zusammenfĂŒhren. FĂŒr ihn bedeutet SimplizitĂ€t: handgeschriebene Todo-Listen und anschauliche, farblich sortierte Diagramme. Am Ende haben wir eine Kombination aus beidem gebraucht, aber die Frage “wie können wir das hier als Team vereinfachen?” hĂ€tten wir uns viel frĂŒher stellen mĂŒssen!

Was kannst du persönlich fĂŒr einen Mehrwert aus der Frage “was bedeutet simpel fĂŒr mich” ziehen? Könnte das deine Teamarbeit beeinflussen oder vereinfachen?

2. Frische ist wichtig.

FĂŒr mich bedeutet “simpel” vor allem auch nicht zu viele Zutaten einzukaufen, die schnell verderben können. Deshalb habe ich lange davon abgesehen, frische KrĂ€uter zu kaufen. MANN, was habe ich verpasst! Falls du wie ich bist und nur Haltbares zu Hause hast - probiere es aus. Es werden dir nicht nur deine Geschmacksknospen danken, sondern die NĂ€hrstoffe werden auch deinem Körper gut tun und dir ein GefĂŒhl von Gesundheit geben, wenn du regelmĂ€ssig frische Zutaten in deine ErnĂ€hrung integrierst.

Und genauso wie getrocknete, haltbar gemachte Zutaten nicht viel Geschmack zu deinen Speisen beitragen werden, so inspirieren alte und eingemachte Ideen auch nicht zur KreativitĂ€t im Arbeitsleben. Genauso wie die persönliche Einstellung am Anfang eines Meetings einen Einfluss hat (siehe Teil 1: “Miracle Morning”), so tun es auch frische Ideen. Marie Forleo und ihr Team zum Beispiel haben regelmĂ€ssig Meetings, in denen sie folgende Übung machen: “Was wĂ€re, wenn wir
” - und alles ist möglich. ALLES, von “Was wĂ€re, wenn wir ein BĂ€llebad in einen unserer StudiorĂ€ume bauen wĂŒrden?” bis “Was wĂ€re, wenn wir alle als Individuen in einer grossen Medienkampagne mitmachen wĂŒrden?”. Die Meisten dieser Ideen werden natĂŒrlich nicht in die Tat umgesetzt - aber sie tragen erheblich dazu bei, Frische in jedermanns Tag zu bringen, ein bisschen KreativitĂ€t anzuregen und letztendlich auch die ein oder anderen fruchtbaren Konzepte hervorzubringen.

3. Manchmal ist es sinnvoll, sich selbst Grenzen zu setzen.

Herr Ottolenghi sagte selbst dass er, wĂ€hrend er fĂŒr dieses Buch experimentierte, Schwierigkeiten hatte sich fĂŒr die “nur 10 Zutaten oder weniger”-Rezepte einzuschrĂ€nken. Doch er fand mit der Zeit etwas VerblĂŒffendes heraus: trotz der auferlegten Limitierung vermisste er am Endresultat oft nichts.Manchmal lassen wir uns davon hinreissen, mehreren KPIs hinterherzujagen, sodass wir den Fokus verlieren. Zu viel zur selben Zeit zu wollen generiert unnötigen Druck, und der Geschmack des Endresultats ist es eventuell nicht einmal wert! Genau wie mit Make-Up, ist manchmal weniger eben mehr. Es sei denn, wir sprechen ĂŒber Zitronensaft.* *Man kann, tatsĂ€chlich, zu viel Zitronensaft ins Essen tun. Das könnte einem den Tag versauern. Seid vorsichtig damit, oder nehmt es mit Humor!