Teil II: “Die subtile Kunst des darauf S*heissens” von Mark Manson

Namics’ inoffizieller Buchclub prĂ€sentiert: 5 BĂŒcher zur persönlichen Weiterentwicklung - oder der deines Unternehmens - wĂ€hrend der Corona-Zeit

“Es gibt nur zwei Möglichkeiten, menschliches Verhalten zu beeinflussen: man kann es manipulieren, oder man kann es inspirieren.” (Simon Sinek) Die meisten Menschen bei Namics (mich eingeschlossen), fingen hier an zu arbeiten weil sie sich wĂ€hrend des Bewerbungsprozesses inspiriert von ihren potentiellen neuen Kollegen fĂŒhlten. Mir wurde das wieder einmal bewusst, als letztes Jahr auf ganz natĂŒrliche Weise ein inoffizieller Buchclub entstand. Wir waren eine Gruppe, die ĂŒber mehrere Standorte verteilt begann BĂŒcher auszutauschen die wir geliebt hatten, die uns grĂŒbeln oder den Wunsch, ĂŒber den Inhalt zu diskutieren verspĂŒren ließen.

FĂŒr Viele von uns bedeutet die Corona-Krise vor allem “mehr Zeit”: kein Pendeln zur Arbeit mehr, fĂŒr einige weniger oder sogar gar keine Arbeit, keine großen Reisen oder AktivitĂ€ten sind mehr möglich. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge ĂŒber das man sich Sorgen machen könnte, vor allem wenn man die Zeit hat, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Unsicherheiten ĂŒber die eigene Gesundheit und die von Nahestehenden, aber auch finanzielle Probleme sind Themen fĂŒr uns.

Ich möchte dich hiermit dazu inspirieren, dir weniger Sorgen zu machen und stattdessen mehr zu lesen. Diese 5 Buchempfehlungen werden dir nicht nur eine Möglichkeit geben, die Zeit zu fĂŒllen, sondern dich auch motivieren und möglicherweise sogar inspirieren! Die Lektionen sind sowohl anwendbar auf die persönliche Weiterentwicklung als auch auf die Verbesserung deines Arbeitslebens - unabhĂ€ngig von deiner Rolle, deines Status oder professionellen Sektors. Zum besseren Einstieg teile ich zu jedem Buch passend eine persönliche und eine professionelle Perspektive. Startklar?

Auf geht’s!

“Die subtile Kunst des darauf S*heissens” von Mark Manson

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Ich bin grosser Fan von Sprache an sich, und deshalb versuche ich auch darauf zu achten, welche Wörter ich benutze. Genauso wie ich aber finde, dass es zwar falsch ist jemand anderen zu verprĂŒgeln, einige SchlĂ€ge in den Sandsack hin und wieder aber sehr wohl tun, denke ich auch dass ein paar Schimpfwörter befreiend sein können, solange sie niemanden direkt verletzen. Klingt sinnvoll, soweit?

Ich muss wohl in einer ganz bestimmten Stimmung gewesen sein, als ich diesen Bestseller an einem kanadischen Flughafen kaufte, kurz vor meinem RĂŒckflug. Der BuchrĂŒcken gibt Folgendes wider*: “[...] ein Superstar-Blogger zeigt uns, wie wir stĂ€rkere, glĂŒcklichere Menschen werden: nĂ€mlich indem man Widrigkeiten besser begegnet und aufhört, stĂ€ndig ‘positiv’ zu sein.”. Da ich selbst jemand bin, der oft als “stĂ€ndig positiv” wahrgenommen wird, traf dieser Satz einen Nerv. Ich begann die ersten Seiten mit einem breiten Grinsen auf den Lippen zu lesen, und konnte das Buch im Prinzip nicht niederlegen bis wir in Frankfurt landeten. Die Sprache ist unverblĂŒmt und prĂ€gnant, genau wie wir Deutsche es mögen. Und Manson ist sehr schlau darin, uns ĂŒber das Versprechen von purem Sarkasmus in eine Diskussion ĂŒber Werte zu verwickeln.

Denn lasst mich euch erzÀhlen, worum es in diesem Buch wirklich geht:

Um die Tatsache dass wir, wenn wir zu vielen Dingen zu viel Wert zuschreiben, unserer eigenen psychischen Gesundheit schaden. Es geht um den Fakt dass, wenn man ernst genommen werden und erfolgreich sein will, Grenzen braucht, die aufzeigen wofĂŒr man wirklich einsteht.

Meine persönliche Erfahrung in Bezug auf “Die subtile Kunst des darauf S*heissens”

Einer der SĂ€tze die ich wĂ€hrend des Lesens unterstrichen hatte war “Positive Erfahrungen zu wollen ist eine negative Erfahrung; negative Erfahrungen zu akzeptieren ist eine positive Erfahrung.”. Lass’ diesen Satz einmal auf dich wirken. Wir sind es so gewohnt, stĂ€ndig damit bombardiert zu werden wieviel besser Dinge sein könnten und was fĂŒr Lösungen es gibt damit wir eine dauerhaft glĂŒckliche Person werden, dass wir komplett den Bezug zu dieser einen Wahrheit verloren haben: es ist OK wenn Dinge manchmal Ă€tzend sind.

Wie ich eingangs erwĂ€hnte, habe ich den Ruf ein eher positiver Mensch zu sein. Wenn ich also einmal nicht positiv und fröhlich bin, fĂ€llt das anderen auf. So auch vor ungefĂ€hr einem Jahr, als es eine Phase gab in der viele Angestellte die Namics verliessen, aus unterschiedlichen GrĂŒnden. Eine gewisse Fluktuation ist absolut normal fĂŒr eine Agentur, und vermutlich heutzutage sogar fĂŒr jeden anderen Betrieb auch. Ich weiss das. Trotzdem traf es mich auf einer persönlichen Ebene, zu wissen dass ich so viele Leute nicht mehr tĂ€glich sehen wĂŒrde wie bisher. Als wir dann unser Sommerfest in Frankfurt hatten (solche Massenveranstaltungen erscheinen im Moment surreal), passierte etwas Interessantes spĂ€ter am Abend: die Gruppe, bei der ich stand, begann ĂŒber die neue Rolle einer meiner Kollegen zu sprechen, und darĂŒber welche neuen FĂ€higkeiten er in seinem Job dort erlernen wollte. Und plötzlich fing ich an zu weinen. Zur Erinnerung - das war nicht nur ein Arbeitsevent, sondern auch ein Sommerfest. Also könnte meine Reaktion als etwas sehr Unpassendes angesehen werden. GlĂŒcklicherweise besteht Namics aus sehr fĂŒrsorglichen und leidenschaftlichen Menschen, und ich wurde sofort mit Umarmungen und verbalen ZusprĂŒchen versorgt. Als wir dann den Festort verlassen mussten, war ich noch etwas mitgenommen von meiner Episode. Und als mich ein Kollege fragte: “Was kann ich tun, damit du dich besser fĂŒhlst?”, sagte ich nur: “Lass mich einfach traurig sein. Ich brauche das.” Also liess er mich traurig sein, ich hatte ein wenig Portwein in der nĂ€chsten Bar wĂ€hrend er Gin trank, und nach einer kleinen Weile machten wir wieder Witze. Denn weisst du was? Es ist OK, wenn Dinge manchmal Ă€tzend sind. Das ist Teil des Lebens. Und wenn unser Streben ist, immer fröhlich und glĂŒcklich zu sein, werden wir unser psychisches Gleichgewicht aufs Spiel setzen. Also lass’ dich selbst traurig sein, wenn du es brauchst. Und dann steh’ am nĂ€chsten Morgen wieder frĂŒh auf, denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird der nĂ€chste Tag nicht ganz so Ă€tzend sein.

Wie dein Unternehmen davon profitieren kann, wenn du “Die subtile Kunst des darauf S*heissens” liest

Wenn du ein EntscheidungstrÀger in deinem Unternehmen bist (also in 100% der FÀlle, sofern du deine Arbeit ernst nimmst!), hat dein Fokus auf das, was du wertschÀtzt, direkten Einfluss auf die Arbeitsergebnisse. Ein Beispiel aus der Digitalwelt:

Teil unseres Alltags bei der Namics ist die Konzipierung und Programmierung neuer Webseiten. Normalerweise werden die letzten paar Tage vor einer Online-Schaltung zum Bugfixing genutzt (also dem Reparieren der technischen Fehler, die fĂŒr die Endbenutzer schmerzhaft sind). Ein “Blocker” bug bezeichnet in diesem Fall ein Problem, ohne dessen Auflösung der Livegang absolut nicht stattfinden kann. Die Entscheidung, was ein “Blocker” ist und was nicht, trifft normalerweise der Kunde - doch dies kann wĂ€hrend einer Launch-Phase sehr herausfordernd sein, und der Druck wird oftmals durch interne Stakeholder verstĂ€rkt. Deshalb beraten wir bei Namics als Digitalexperten. Ich erinnere mich, als Teil eines Teams den Druck bei einem Ansprechpartner des Kunden sehr deutlich zu spĂŒren, etwa eine Woche vor Livegang einer neuen Webseite. Nachdem er ein paar Tests durchgefĂŒhrt hatte, gab es plötzlich quasi ĂŒber Nacht dutzende neuer “Blocker”-Tickets. Meiner Meinung nach waren einige dieser Blocker tatsĂ€chlich eher SonderfĂ€lle, die dem durchschnittlichen Nutzer nicht sofort aufgefallen wĂ€ren. Jedoch schafften wir es nicht, unseren Kunden davon zu ĂŒberzeugen, die Behebung dieser neu gefundenen Fehler hinten anzustellen. Also ackerte unser Team, und mit Nachtschichten und Wochenendarbeit wurde alles ausgebĂŒgelt. Doch als am Ende des Monats die Rechnung kam, musste unser Kunde schlucken: sie war natĂŒrlich viel höher als es sein ursprĂŒnglicher Projektplan zugelassen hĂ€tte. In diesem Sinne hat ihn das Unwissen darĂŒber, was ihm - und letztendlich seinen Kunden! - wirklich wichtig war, teuer zu stehen gekommen. Und um ehrlich zu sein: wir hĂ€tten uns als Experten wohl mehr bemĂŒhen sollen, ihm den Druck zu nehmen und vollen Fokus auf das wirklich Wichtige zu legen.

Es bleibt wohl festzuhalten, dass der fehlende Fokus auf Kernwerte und PrioritĂ€ten immer Kosten mit sich bringt. Egal ob man ein Produkt oder eine Dienstleistung bereitstellt - man kann nicht immer jedermanns WĂŒnsche zur gleichen Zeit erfĂŒllen. Doch solange man fokussiert bei der Kernbotschaft bleibt, die man Anfangs seinen Kunden versprochen hat, werden die Richtigen treu und zufrieden bleiben. In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je Ressourcen zu sparen und somit den Fokus zu stĂ€rken. Jetzt ist die Zeit um zurĂŒck zu unseren Unternehmensleitbildern zu finden, und darĂŒber zu reflektieren. Was ist der Grund fĂŒr die Existenz deines Unternehmens? Was treibt es an, was ist sein “warum”? Die Kunden, die dein “warum” genauso wertschĂ€tzen, werden bleiben. Sogar wĂ€hrend und auch nach der Corona Pandemie.  

*frei ĂŒbersetzt aus dem Englischen - die deutsche Version hat einen anderen Text auf dem BuchrĂŒcken.