Programmieren für 6-8 Jährige Kinder? Challenge accepted.

Wir haben bei der Bildungsinitiative Smartfeld zwei Workshops zum Programmieren abgehalten.

Bei der Eröffnung der Bildungsinitiative Smartfeldam 13. August im St.Galler Innovationszentrum Startfeld leuchteten 16 Kinderaugen hellwach und neugierig. Immer wieder wurden kleine, bunte Bausteine auf ein unspektakulär aussehendes Holzbrett gelegt und sich regelmässig am Kopf gekratzt und gewundert. Jedes Kind verfolgte gebannt etwas Eckiges auf zwei Rädern, das gemächlich über bunte Felder zockelte. Würde Carl dort landen, wo er landen soll?

Halt. Stopp. Wer ist Carl? Ein genauerer Blick auf die Spielwiese neben Holzbrett und bunten Bausteinen gibt Aufschluss – Carl ist ein kleiner Holzroboter und kurvte unermüdlich, mit einem leichten Lächeln im Gesicht, über die abwechslungsreichen Spielteppiche. Gesteuert von Kindern, ganz ohne Bildschirm, dafür mit Programmierbefehlen zum Anfassen.

Namics Mitarbeiterinnen Lara Mogge und Janine Sutter
Gemeinsam mit Janine fĂĽhre ich durch den Workshop. Quelle: Namics

In diesem Herzensprojekt hat Namics das Konzept für zwei halbtägige Workshops für 6-8 Jährige Kinder und Begleitpersonen entwickelt, welches im Rahmen der Bildungsinitiative Smartfeld als Angebot platziert wird. Dabei hat sich unser Projektteam bewusst entschieden, einen Workshop für die ganz Kleinen unter uns zu gestalten. Genau in diesem Alter, wo Mädchen genau wie Jungs an technischen Themen interessiert sind, wollten wir einen Raum zum Entdecken und Ausprobieren schaffen.

Nach ausgedehnter Recherche und einigen Experteninterviews, welche von programmierbaren Bienen wie den Beebots oder Linien abfahrenden kleinen Ozobots, bis hin zu einem vielseitig einsetzbaren Mini-Computer wie dem Calliope Mini reichten, haben wir endlich unseren absoluten Favoriten unter den Robotern ausgemacht: Cubetto. Ein kleiner Holzroboter von Primotoys, der sich mit grundlegenden Befehlen wie “geradeaus”, “links” und “rechts” über Felder steuern lässt. Das Faszinierende an diesem Holzroboter – Carl, wie wir den unseren getauft haben, ist, dass er Kindern spielerisch erlaubt, auch ohne Bildschirm und ohne viel Schnick-Schnack die Grundlagen der Programmierung kennenzulernen: Wenn Kinder den anvisierten Weg des Holzroboters zum Ziel in viele kleine Schritte unterteilen, wird dabei nicht nur das logische Denken gefördert. Nein, es wird auch ein ganz unglaublich wertvolles Verständnis von Mut und Fehlertoleranz vermittelt – “Ausprobieren. Beobachten. Woanders landen. Fehler erkennen. Lösung verbessern. Ausprobieren. Beobachten. Woanders landen. Fehler erkennen. Lösung verbessern. Ausprobieren. Beobachten. Ans Ziel kommen.”– Ein klassisches Debugging, was zugleich Durchhaltevermögen sowie Selbstbewusstsein fördert. Sich aus eigener Kraft an die Erreichung dieses Ziels heranarbeiten zu können, vermittelt Kindern ein starkes Gefühl von Schaffenskraft und motiviert extrem, fortwährend Neues zu versuchen. Ebenso ist Carl ein tolles Medium für kreative Ideen: Kinder denken sich beispielsweise Geschichten zu Carl aus oder legen sich neue Parcours zurecht. Alternativ werden Carl Stifte angeschnallt und bunt drauf los gemalt.

Vom Holzroboter begeistert hat sich das tapfere Projektteam schliesslich durch turbulente Konzeptionsphasen, pädagogische Diskussionen sowie zwei aufregende und zugleich erkenntnisreiche Testläufe gekämpft, um nun sagen zu können: Wo zu Projektanfang noch ein grosses Fragezeichen war, haben wir nun ein lebendiges Konzept entwickelt, welches ab Herbst als ergänzendes Angebot bei Smartfeld der Öffentlichkeit frei zugänglich sein wird. Juhu! Dieses lebendige Konzept führt über die sanfte Heranführung an das Thema Programmierung, das Kennen- und Verstehenlernen des Roboters, das Durchlaufen einer Geschichte über drei Spielflächen hinweg, entlang der St.Galler Altstadt und den Drei Weihern, bis hin zu einem kreativen Malen mit bunten Farbstiften auf weissen Papierflächen. Wir freuen uns extrem darauf mitzuverfolgen, wie in den nächsten Monaten weitere Kinder mit auf Carl’s Reise genommen und so einen Raum zum Entdecken und Ausprobieren finden werden!

Rückblickend war die grösste Herausforderung in diesem Projekt sicherlich, sich auf die Kleinen einzulassen und diese richtig abzuholen. Gleichzeitig war das aber auch das Faszinierendste, denn im Beratungsalltag bei Namics hat man nur selten die Gelegenheit für so einen erfrischenden und bereichernden Perspektivenwechsel. Und ja klar – das selbstlose Ausprobieren verrückter Roboter und der dadurch entstehende Small-Talk-Gesprächsstoff für Apéros hat uns allen natürlich wahnsinnig viel Spass gemacht und wieder einmal bewiesen, dass in uns allen noch das experimentierfreudige Kind steckt. An dieser Stelle gilt mein herzlichster Dank allen Begeisterten, welche diesem Projekt so wunderbar Leben eingehaucht haben. Merci an:

  • Das unermĂĽdliche Projektteam – Mike Bäder, Philipp Gort, JĂĽrg Stuker und ich, Lara Mogge
  • Die grandiosen Spielfeld-Designexperten – Nikola Vukasinovic und Katrina Radic
  • Das mitreissende Motivations-Team – Iris Schiess und Janine Sutter
  • Alle mutigen Testpaare – Simon Guldener, Amelia und NoĂ©mi; Roman Zollet, Nino, Livio und Fabio; Theo Körner und Jana; Dominik Scherrer, Mara und Larissa
  • Sowie die pädagogischen Impulssetzer – Reto Eugster, Benedikt und Josef Vogel sowie Mirjam und Reto Zigerlig
Kinder werden bei Smartfeld spielerisch an die Programmierung herangefĂĽhrt.
Bei der Initiative Smartfeld werden Kinder spielerisch an die Programmierung herangefĂĽhrt.