Das QuarantÀne Tagebuch. Woche 3.

Nun schon drei Wochen fully remote. Was ist passiert und wie lÀuft es so? Unser Recap der Woche.

Namics@Home: In dieser Woche berichtet Marc, was er in Home Office QuarantÀne erlebt hat.

Tag 11 - Montag, der 30.03.2020

Aus dem Bett fallen, ins Bad wanken, den WohlfĂŒhl-Jogger an und schwuppdiwupp ist man fertig fĂŒr eine neue Arbeitswoche. Man gewöhnt sich langsam dran, dass man morgens schneller vor’m Arbeitsrechner hockt als normal. Wobei einen leider 5 Meter zu Fuß nicht so wach kriegen, wie es 5km auf dem Rad schaffen. Und so hat sich mein Stoffwechsel auch schon reduziert, ein neues Hemd braucht es momentan nur noch alle zwei Tage.

Egal, es ist Montag. FrĂŒher als Meeting Monday gefĂŒrchtet, ist er heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Wir arbeiten jetzt bevorzugt fĂŒr die Kunden, wodurch diverse interne Meetings weggefallen sind. Ich fĂŒhle mich fast schon wieder so produktiv wie damals, als ich als einfacher Software Entwickler angefangen habe. Damit ich nicht zu sentimental werde, hat der große Kalendergott mir aber wenigstens noch ein paar Kundentermine reingesetzt. In meiner aktuellen Mischwelt aus Software Architect, gewĂŒrzt mit etwas Product Owner Consulting, reicht die Themenvielfalt der Telkos vom aktuellen Stand einer Hybris*-Migration bis hin zur Planung der zukĂŒnftigen Themen, es gibt einiges zu besprechen.

Und da ich, wie gesagt, endlich auch mal wieder Zeit fĂŒr die Entwicklung normaler Komponenten habe, habe ich endlich auch mal wieder diese simplen GlĂŒcksgefĂŒhle, den Tag mit etwas Fertigem beenden zu können.

 

* Ja, Hybris heißt jetzt SAP Commerce Cloud, aber man kriegt es halt so schwer aus dem Sprech raus.

 

Tag 12 - Dienstag, der 31.03.2020

Gibt es etwas schöneres, als den Tag mit einem Belgrader Kollegen im Chat zu beginnnen, und sich gemeinsam anzuschauen, wie die Daten aus einem neuen Formular einmal die gesamte SAP-Produktpalette duchlaufen? Aus der Commerce Cloud ĂŒber SCPI weiter Richtung C4C und/oder die Marketing Cloud. Und es funktioniert auch noch! Schon der blanke Wahnsinn, was wir alles so können. Gibt einem schon ein wenig mentalen Aufschwung, nachdem man in der gesellschaftlichen Relevanz in den letzten Wochen eine realitĂ€tsnahe Neueinstufung hinnehmen musste. Aber andere erwischt es ja immer noch etwas hĂ€rter, so dĂŒrfen unsere Belgrader Freunde nur von 5:00 bis 17:00 Uhr das Haus verlassen, am Wochenende sogar nur bis 15:00 Uhr.

Das unschöne an diesem Tag: jede Menge Abstimmungen und Hilfsanfragen. Die wurden bei unserem verteilten Team ja auch schon in der Vergangenheit hĂ€ufiger mal ĂŒber einen Videoanruf abgewickelt, aber inzwischen geht es nur noch darĂŒber, und zumindestens mich schlaucht das enorm und der Kopf dreht sich noch schneller als sonst. Und es geht halt auch nicht mal das einfache nach links oder rechts Drehen, um die anderen Leute an meiner Sechser-Insel Sachen zu fragen. Alles muss langwierig ĂŒber Chat-Tools erarbeitet werden. Ich bin momentan echt wesentlicher kaputter, wenn ich abends den Laptop zuklappe.

Da hilft nur eine Runde laufen gehen an der Nidda, den putzigen kleinen Nutrias beim MĂŒmmeln und Böschung zerhöhlen zuschauen.

 

Tag 13 - Mittwoch, der 01.04.2020

Mir fehlt die Osmotische Kommunikation des GroßraumbĂŒros. All die Informationen, die man sonst so nebenbei mitbekommt, wenn die Kolleg/innen telefonieren oder sich unterhalten, fehlen einem jetzt komplett. Das fĂ€llt mir in meinem ersten Meeting des Tages auf, von denen es heute wieder mehrere gibt. Es stehen zwei Refinements an, die ĂŒblichen Daily Standups und etliche ungeplante interne und externe Telefonate. Ich habe also "die FĂŒĂŸe voller Arbeit”, um mal meinen sprichwortverdrehenden Kollegen zu zitieren. Apropos, mir fehlt auch das FĂŒĂŸeln unter dem Tisch mit Tobi, meinem Projektleiter.

Nachmittags kann ich mich endlich mal wieder dem Entwickeln widmen. Eine schöne Runde Remote-Pair-Programming mit meinem Belgrader Kollegen Sava, bei dem wir beide feststellen, dass unsere Entwicklung aber eigentlich doch klappen mĂŒsste. Entwickler-Alltag also. Am Ende klappt es dann auch wirklich. Entwickler-Alltag also.

Hinten raus merkt man, dass gerade heute vielleicht ein guter Tag fĂŒr Homeoffice ist. Am Monatsanfang mĂŒssen die ganzen Abrechnungen gemacht werden, und das zustĂ€ndige Tool streikt. Die armen ProjektleiterInnen, man spĂŒrt ihre schweren Herzen bis hier.

Auszug aus Hangout Chat Konversation

Remote Workout Session per Hangout Chat

Nichtsdestotrotz, fĂŒr alle Nicht-PLs gibt es Feierabend. Doch Stopp, es gibt da ja noch diese drei wunderbaren MĂŒnchner Kolleginen, die zwei mal die Woche abends ein Remote Workout anbieten. Auf das der Schweiß noch mal so richtig von der Nase tropft, kann ja nicht schaden.

Tag 14 - Donnerstag, der 02.04.2020

Bohnen und Speck
Kulinarischer Genuss in der Mittagspause: Speck mit Bohnen.

Da, wie wir alle wissen, der Name des heutigen Tages vom Donnergott Thor kommt, lassen wir es heute mal so richtig krachen! Aber genug von meinem morgendlichen Toilettengang, zurĂŒck zur Arbeit. Da hat ein freundlicher Kollege heute eine Liste im Intranet angelegt, mit all den Kuchen, die uns bislang entgangen sind. Auf das sie in BĂ€lde nachgebacken werden können. Ich bin mir sicher, das "Das große Fressen" von Marco Ferreri wie ein Kindergarten wirken wird, wenn unser BĂŒro erst wieder aufmacht.

Den Rest des Vormittags verbringe ich mit ein paar Meetings und ein paar Hilfe-Anfragen. Im Gegensatz zum normalen Arbeitsleben kann ich dabei heute der Nachbarin beim WÀsche aufhÀngen zusehen.

Was mir momentan Mittags fehlt ist die kulinarische Vielfalt in Frankfurt-Sachsenhausen. Paolo beim freundlichen Italiener, der mir immer eine extra große Portion Nudeln macht. Die freundliche Dame beim Exenberger, die so ungerne 50er annimmt. Wu Han vom Lieblings-Asiaten mit seiner leckeren Erdnußsoße. Was freue ich mich schon, wenn ich auch die wiedersehen kann. Vorerst aber gilt es, sich mittags selbst was zu zaubern. Zum GlĂŒck kann ich sehr gut BockwĂŒrste kleinschneiden und mit Ketchup anbraten.

Derart wohlgenĂ€hrt muss der Hochleistungs-Charismatiker in mir nach dem Mittag den Kunden von der Dringlichkeit eines Themas ĂŒberzeugen. Hat auch funktioniert. Und danach komme ich endlich wieder zum Entwickeln. DafĂŒr habe ich doch damals mit dem Studium der Medieninformatik angefangen. Was mir heute kurz vorm Feierabend noch auffĂ€llt: ich habe langsam das Kissen auf meinem Improvisations-BĂŒrostuhl schon so platt gesessen, dass ich die Rillen des Korbstuhls spĂŒre. Ich muss das wohl mal mit etwas Volumen-Shampoo waschen und in Form bringen.

Und ich freue mich schon darauf, meinen echten BĂŒrostuhl wieder benutzen zu können.

Tag 15 - Freitag, der 03.04.2020

Ich merke langsam, wie ich kurzsichtiger werde. Alles, was bislang abseits des Monitors stattgefunden hat (Meetings, einfaches Gesabbel mit Kollegen, Kickern, durch die Hallen zur Kaffeemaschine laufen, ...) findet jetzt am Monitor und in den eigenen kleinen vier WĂ€nden statt. Meine Umwandlung zum Maulwurf ist also auf einem guten Weg, habe heute auch glatt eine Apfelsine mit meinem orangenen Knetball verwechselt. Was 'ne Sauerei.

Ansonsten gilt fĂŒr diesen Freitag: business as usual. Zwei Standups, ein wenig Support beim Kunden, ein wenig Hilfe von Kollegen anfragen, ein wenig den Kollegen helfen, a bisserl was entwickeln. LĂ€uft. Nichts aufregendes, nur das alles etwas anstrengender und zeitaufwendiger ist als normal.

Ich weiß nicht, ob man es die letzten Tage mitbekommen hat, aber ich bin kein großer Fan von Homeoffice. Normal schon nicht, und in der epischen AusprĂ€gung wie momentan erst recht nicht. Aber sagen wir mal so: ich bin jetzt körperlich Mitte 20, geistig kurz vor der PubertĂ€t und laut Geburtsurkunde ungefĂ€hr die Summe von beidem (Kontaktanfragen unter Chiffre 0311). Ich hab schon die eine oder andere Sache erlebt und bin mir sicher, dass wir auch das hier ĂŒberleben werden und anschließend wieder eine Menge Spaß haben werden. Also: auf eine weitere Woche Homeoffice und ein paar rauschende Parties, wenn der Unfug vorbei ist!