MA RA TH ON Challenge 2020.

Bei Namics haben wir einige eifrige Läufer, die sich messen wollen oder einfach nur Spaß beim Laufen haben. In letzter Zeit war das jedoch sehr schwierig, da Veranstaltungen, wie wir sie kennen, so gut wie alle abgesagt wurden und wir aus dem HO arbeiten.

Gemeinsam getrennt einen Marathon laufen #RunAsOne Team.

Fun Fact: Das ist die Zeit, in der "DIY Coronathons" und "Backyard Ultras" begannen.

Vor ein paar Wochen, während unseres täglichen Meetings der Service Line Leads "Platform Solutions", tauschten wir uns über unsere Laufbemühungen im Homeoffice aus: Einige von uns laufen sehr regelmäßig, andere sehr beständig, und einige haben sogar gerade erst mit dem Laufen begonnen.

Der Plan.

Schließlich sahen wir die Ankündigung der "MA RA TH ON"-Challenge von Strava: Am 6. und 7. Juni läuft ein vierköpfiges Team zusammen einen 42,2 km langen Marathon –  jeder 10,5 km.

Fun Fact: Sponsor der Challenge ist das "NN Running Team", das die schnellsten Langstreckenläufer unter Vertrag hat, die auch an dem virtuellen Lauf teilnehmen. Wie bei einem echten Marathon gehen wir also mit den Großen an den Start. 

Lange Rede kurzer Sinn: Wir haben uns angemeldet. Da Michael im Urlaub war, mussten Benedikt, Jens, Thomas und Markus ran. Und wir bekamen auch einen kitschigen Namen fĂĽr unser Team: NAMICS FLATFORM REVOLUTION LEADS (ja, auch bekannt als Namics Platform Solution Leads).

Auf die Plätze. Fertig. Los.

(Sorry, hier gibt es kein TL;DR – ein Marathonlauf verdient die volle Aufmerksamkeit und Erfahrung jedes Teilnehmers. Wollen wir also mal sehen, wo, wann und wie dieser #RunAsOne-Marathon in chronologischer Reihenfolge verlief.)

Markus (in Kreuzlingen, Switzerland)

Finisher beim Namics Marathon

Da ich die Idee zu dieser Herausforderung hatte und Teamkapitän war, wollte ich auch meinen Teil so schnell wie möglich erledigen, um den Rest des Teams zu motivieren. Aufgrund der Wettervorhersage mit Regen und Wind, wollte ich schnell laufen, obwohl ich eigentlich kein "Sprinter" bin, sondern die längeren Distanzen bevorzugte. Ich entschied mich für eine Bergab-Strecke auf Waldwegen und Straßen.

Kein Startschuss, nur ich und mein Garmin. Und los ging's.

Die ersten 4 km verliefen wirklich gut, im Zickzack über Waldwege, die quasi in meinem "Hinterhof" liegen, drehte ich ein paar sehr schöne Runden. Ha, das wird ein Kinderspiel. 40% geschafft.

Nachdem ich für Kilometer fünf und sechs nach Westen abgebogen war, wurde es schwieriger: zwar eine flache Strecke, aber ziemlich starker Gegenwind! Meine Beine beschlossen zu brennen, aber zum Glück hatte ich die Hälfte der Strecke bereits hinter mir und keine Wanderwege mehr, sondern nur noch Straßen, die die Sache einfacher machen sollten. Als es wieder bergab ging, war ich wirklich bereit für eine "Pause". 60% geschafft.

Der nächste Abschnitt ging schnell vorbei, aber die Bergab-Strecke war überhaupt nicht entspannend. Mental bereitete ich mich auf das finale Leidensfest vor. 80% geschafft.

Strava Markus

Bei Kilometer 8 gab es wieder Gegenwind, bevor mir auf der letzten Strecke schöner Rückenwind etwas Erleichterung verschaffen sollte. Es wurde Zeit, über die zusätzlichen 500 m nachzudenken, da ein Viertelmarathon nicht nach 10 km endet. Haha... zwei weitere Minuten Leiden (fürs Team).

Und dann war ich fertig! 100% geschafft.

Keine Ziellinie, keine jubelnden Fans, keine Medaille. Nur ich und mein Garmin – mit einer sehr zufriedenstellenden Zeit am Ende.

Und jetzt bin ich gespannt, wie sich der Rest des Teams schlägt.

Thomas (in Fulda, Germany)

Strava Thomas

Ich muss gestehen, dass meine Laufform in diesem Jahr eigentlich ganz ok ist. Dank Covid-19 konnte ich mehr als sonst laufen, in diesem Jahr schon über 600 Kilometer. Zehn Kilometer sollten also kein Problem sein. Daher war mein Plan, die Gelegenheit dieses MA RA TH ON-Event dazu zu nutzen, meine Form zu überprüfen. Ich ging zu einer nahegelegenen Laufstrecke, machte eine Aufwärmrunde und stellte mich auf wie für ein olympisches 10.000-Meter-Finale.

Auf die Plätze – fertig – los: 26 ½ Runden. Und das bei wirklich besonderen Wetterbedingungen: Die ersten 3 Kilometer waren sonnig, dann hatte ich 3 Kilometer leichten Regen, 1 Kilometer starken Regen und wieder 3½ Kilometer Sonne. Wie immer, wenn ich schnell laufen will, setze ich auf 90er-Jahre-Pop-Punk (Green Day, Offspring, etc.). Das Ergebnis war gut – mein schnellster Zehn-Kilometer-Lauf seit über 2 Jahren, #yeah. Danke Markus, dass du uns motiviert hast, diese pseudo-offizielle Veranstaltung hat wirklich geholfen. PS: Wie immer bekam ich zwei Tage später einen ordentlichen Muskelkater, aber das war es wert ;-)

Jens (in Rödermark, Germany)

Strava Jens

Es war ein schöner Nachmittag Ende Mai, als in unserer Chat-Runde der Platform Leads die Nachricht aufploppte: "Neue Herausforderung, machst du mit? Alle laufen 10,5 km und zusammen laufen wir einen Marathon". Ich grinste in mich hinein und dachte: "Oh Markus – hast du das falsche Chat-Fenster erwischt?” Doch in unserem nächsten Meeting wurde klar, dass dies nicht der Fall war und dass die Frage ernst gemeint war.

Ich bin ein gebranntes Kind, wenn es darum geht, dass mich Kollegen aus der Schweiz zum Sport ermutigen. Ich erinnere mich nur zu gut an das Jahr 2018, es war September und die gesamte Namics war wieder in Ampflwang zum alle zwei Jahre stattfindenden standortübergreifenden Firmentreffen, bei dem neben dem fachlichen Austausch auch die körperliche Bewegung fest im Programm verankert war. Mein Kollege Ben fragte mich beim Mittagessen in einem Nebensatz: "Jens, läufst du eigentlich?” Rückblickend bin ich sicher, dass die Frage in meinen Ohren wie die Stimme von Hannibal Lecter klang, und das hätte mich warnen sollen. Was soll ich sagen – ich war naiv... also stimmte ich zu mitzulaufen.

Nun müssen Sie wissen, dass ich nördlich des "Weißwurstäquators" in Wachenbuchen aufgewachsen bin. Die höchste Erhebung dort war der Hühnerberg mit 197 m über dem Meeresspiegel – und ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals freiwillig "bestiegen" zu haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Joggen mit vier Schweizer Kollegen in den österreichischen "Bergen" hat mein Leben geprägt.

Aber Männer sind Männer: Sie lernen nicht aus ihren Fehlern. Der Vorteil der neuen Challenge war – aus meiner Sicht –, dass ich den Verlauf der Route selbst bestimmen konnte. Also dachte ich "Du schaffst es" und nahm die Herausforderung an. In unseren folgenden Meetings kam das Thema von Zeit zu Zeit auf und wir sprachen über Laufschuhe und Rundenzeiten. 

Ich erfuhr zum Beispiel, dass man auf seinem Garmin auch den Namen des Schuhs zur jeweils gelaufenen Strecke angeben kann. Ich hatte keine Ahnung, welchen Schuh ich überhaupt besitze. Ich hoffte auf einen "Speedy 3000" oder einen "Gestiefelten Kater 2.0" – nach Recherchen fand ich heraus: Es ist ein "Munich 3". Nun, zu meinem Glück waren es nicht die alten Modelle 1 oder 2 – sie hätten mich sicher gebremst.

Vielleicht war es die Nervosität, die mich am Sonntagmorgen um 6 Uhr morgens aufweckte, aber die frische Morgenluft schob mich über die 10,5 km als wäre es ein Spaziergang zur Bäckerei. Erschöpft, aber zufrieden mit der Zeit, die ich erreicht hatte, ging ich anschließend tatsächlich zur Bäckerei und weckte die Kinder zum Frühstück und zur Familienzeit auf.

Notiz an mich selbst: "Bei der nächsten Sportanfrage eines Schweizer Kollegen einfach kurz nachdenken – nachdenken und erinnern." 

Ich bin mir sicher, dass ich mir das beim nächsten Mal wieder nicht zu Herzen nehmen werde – aber ich muss sagen: Ich habe unsere Mannschaftsleistung wirklich geliebt :)

 

Benedikt (in Amsterdam, Netherlands)

Strava Ben

Laufen ist eigentlich meine Ausweichsportart: Ich jogge, wenn keine andere Optionen zur Verfügung steht. Aber selbst dann fällt es mir schwer, meine Schuhe anzuziehen und auf die Laufbahn zu gehen. Meine ehrgeizigen Pläne, die Corona-Monate zur Laufsaison zu machen, scheiterten daher kläglich. 

Trotz meiner schwierigen Beziehung zum Laufen war ich sofort dabei, als meine Kollegen darum baten, am MA RA TH ON teilzunehmen. Es ist schon lange her, dass wir etwas außerhalb des Jobs zusammen gemacht haben. Und ein Teamlauf könnte ein guter Grund dafür sein, endlich mit meinem Corona-Lauftraining zu beginnen. 

Als es jedoch Zeit für Trainingsrunden wurde, fand ich viele Gründe, diese zu verschieben. Das Wetter war zu warm oder zu kalt. Meine letzte Radtour lag noch zu nah. Oder ich habe einfach zu Abend gegessen. Als ich am Wochenende vor der MA RA TH ON endlich meinen Testlauf machte, verirrte ich mich nach drei Kilometern in der Stadt. Ich habe mich nicht getraut, das auf Strava zu veröffentlichen. 

Als der Tag des MA RA TH ON endlich kam, war ich viel aufgeregter als erwartet. Ich aß ein bescheidenes Frühstück (zwei Bananen) und band mir die neuen Schuhe zu, die ich mir zu Beginn von Corona gekauft hatte, als Motivation meine Laufkarriere zu beginnen. Mit einer Verspätung von drei Monaten wurden die Schuhe nun endlich ihrem Verwendungszweck zugeführt. 

Ich begann langsam. Mein Ziel war es, kontinuierlich mit einem Tempo knapp unter 06:00 Minuten pro Kilometer zu laufen. Nach einem Kilometer merkte ich, dass ich doch schneller laufen kann. Ich strebte 05:30 Minuten pro Kilometer an. Es war überraschend einfach, dieses Tempo beizubehalten. Es war mein erster Lauf in Amsterdam, und Laufen scheint eine andere Sportart zu sein, wenn keine Höhenmeter im Spiel sind. Also pushte ich mich weiter. Ich erreichte ein Tempo von 05:15. Hart, aber machbar. Und ich hatte bereits die Hälfte der 10,5 Kilometer geschafft. Ich pushte weiter. Mit dem Ziel auf 05:00 Uhr. Meine Muskeln begannen zu schmerzen. Noch drei Kilometer. Das schaffe ich. Ich pushte und rannte wie ein Verrückter zwischen all den Sonntagsjoggern im Park. “Ich kann den Wettkampf unter einer Stunde beenden.” Mein Kopf konzentrierte sich darauf, die Beine zu bewegen und auf die Uhr zu schauen. Und da war es: Meine Uhr zeigte 10,5 Kilometer an. Ich fühlte mich wie ein olympischer Athlet. Nur ohne Stadion. Ohne jubelnde Kollegen. Ohne Stadionsprecher, der meine Zeit verkündete. 

Obwohl wir weit voneinander entfernt waren, fühlte ich mich meinen Kollegen nahe. Im Geist und durch Strava verbunden konnte ich auch ihre Strapazen auf 10,5 Kilometern spüren. Ich bin begeistert. Meine Corona-Lauf-Ambitionen sind zurück. Vielleicht könnte Laufen doch viel mehr werden als nur ein Ausweichsport. 

The Result.

Gemeinsam haben wir uns großartig geschlagen und unseren Marathon in einer Zeit von 3:12:05 geschafft. Das bedeutet einen beeindruckenden 557. Platz in der Männerwertung und eine Top-1000-Platzierung insgesamt (976.). Die Zahlen basieren auf Stravas finaler Rangliste, die 52'501 Finisher (von 106'388 Teilnehmern) oder 13'125 Teams aufweist – wir sind also unter den besten acht Prozent. Wow, wir konnten #RunAsOne im wahrsten Sinne umsetzen.

 

Das Team

NAMICS FLATFORM REVOLUTION LEADS: 3:12:05 (Team-Zeit)

Jens Lauer: 5:33 min/km

Benedikt Vogel: 5:05 min/km

Markus Tressl: 3:54 min/km

Thomas Walter: 3:46 min/km

…

Zum Vergleich ein paar andere Zeiten...

Kenenisa Bekele: 3:08 min/km

Kilian Jornet Burgada: 3:03 min/km

Eliud Kipchoge: 3:00 min/km

Julien Wanders: 2:53 min/km

Geoffrey Kamworor: 2:51 min/km

 

Und selbst den Großen geht die Puste aus – wie uns :-)