Das Quarantäne Tagebuch. Woche 4.

So schnell gehen vier Wochen vorbei. Was ist passiert und wie läuft es so? Unser Recap der Woche.

Namics@Home: Das Tagebuch wurde aus Frankfurt an MĂĽnchen ĂĽbergeben. Diese Woche berichtet Laura, was sie im Home Office erlebt hat.

Tag 12 - Montag, der 06.04.2020

Collage von verschiedenen Räumen in der Wohnung
Die Wohnung hat jetzt mehrere Meetingräume.

Wieder eine neue Woche und dieses Mal darf ich dieses Tagebuch führen. Ausgerechnet in der Woche nach Marc - da kann man ja nur verlieren.

Ich starte die Woche damit, mir neue Arbeitsumgebungen zu schaffen (damit sich nicht jeder Tag gleich anfühlt) und richte mir ein zweites Büro sowie einen Meetingraum ein. Zugegeben, es ist die Bar in meiner Küche. In meinem Mietvertrag stand etwas von „keine kommerzielle Nutzung“...

Meine Laune verhält sich heute leider indirekt proportional zu den Temperaturen draußen: Mein Coach Thomas verkündet mir, dass die React Europe (meine erste Entwickler-Konferenz, die ich hätte besuchen dürfen) abgesagt wurde. Nicht verwunderlich, aber ich bin fürchterlich enttäuscht, denn darauf hatte ich mich sehr gefreut. Im selben Moment schreibt mir meine Mutter, dass das Geld für unseren im Mai geplanten Urlaub abgebucht wurde. Ein Urlaub im Mai werde ich wohl vergessen können. Könnte der Start in die Woche besser laufen? Ich denke nicht.

Die Mittagspause ist ähnlich aufbauend: Ich schaue zwei Folgen Modern Family. Was würde ich gerade nicht alles für ein „Ohne Zwiebeln und scharf, oder?“ und den dazugehörigen Fresskoma-Walk zurück ins Büro geben. Das ist so ein richtiger Grumpy-Vormittag heute.

Der Nachmittag besteht endlich dann aber erfreulicherweise aus reiner Programmiererei. Mit einem Kaffee und zwei Schokobons in der Sonne des kleinen Innenhofes und dann noch dem Tageserfolg: Der Umsetzung eines erfolgreichen, sinnvollen Frontendtests im Pair-Programming-Mode. Und auch heute bin ich wieder der Meinung, dass sich die Berufsgruppe der Physiotherapeuten nach diesem ganzen Spuk vor Aufträgen kaum werden retten können. Mein Abendessen besteht aus selbstgebackenem Brot. Danach nähe ich noch zwei Atemschutzmasken oder wie es die DIY-Vloggerin nennt „BMNS Masken“. Meine Hände wasche ich inzwischen übrigens mit selbstgemachter Flüssigseife (ich hasse euch, ihr Hamsterkäufer!).

Tag 13 - Dienstag, der 07.04.2020

7:40 Uhr: Ich stehe in meiner aufgeräumten Küche und weiß nicht mehr was ich tun soll. Na gut, dann fange ich halt schon vor 8 Uhr an zu arbeiten. Die Terminlage checke ich noch am Stehtisch im neu-ernannten Meetingraum, dann baue ich die Bildschirm-und-Geräte-Front auf. Heute ist css-Tag, da brauche ich den zweiten Laptop. Blöderweise ist mein Schreibtisch nicht sonderlich groß. Als ich hier eingezogen bin, habe ich meinen schönen Uni-Schreibtisch zur TV-Bank umfunktioniert. „Einen Schreibtisch brauch ich nicht mehr. Das Studium ist vorbei und zum Arbeiten gehe ich eh viel lieber ins Büro.“, habe ich mir gedacht. Hat richtig gut geklappt.

Desktop-Front auf dem heimischen Schreibtisch
Desktop-Front am heimischen Schreibtisch

Kuschelsocken in Sportschuhen
Outfit of the Day: Rote Kuschelsocken in schwarzen Laufschuhen.

In der Mittagspause gehe ich einkaufen (cool, meine Kuschelsocken passen in die Laufschuhe). Im Drogeriemarkt überleg ich ganz kurz mir neues Make-Up zu kaufen. Dann lache ich innerlich über mich selbst und gehe weiter. Auf dem Heimweg laufe ich bei strahlendem Sonnenschein über die Reichenbachbrücke und schau auf die Leute, die an der Isar sitzen. Ich brauche dringend eine 4qm-große Picknick-Decke, dann kann ich auch am Flussufer sitzen ohne, dass mir jemand zu nahe kommt.

Zurück am PC verkauft mir Microsoft Edge, dass er neu und schnell ist und ich deswegen mehr mit ihm schaffe. "Haha nein, du wirst sicher nicht mein Standardbrowser.", denke ich mir. Aber hier kann man die Seite auch „im Internet Explorer öffnen“. Warum sollte das jemand wollen? Ich find’s lustig. Mein Humor hat sich definitiv verändert, seit ich nicht mehr ins Büro darf. Immerhin lache ich heute gemeinsam mit meinem Lieblings-SAP-Kollegen über schlechte Witze.

Nachdem ich nicht mehr ins Kunden-VPN komme, weil mein Altbau für heute wohl keine SMS mehr durch die Wände lässt, mache ich Feierabend. Heute wäre der perfekte Abend für ein Feierabend-Kaltgetränk in der Abendsonne oder sogar eine Grill-Aktion auf der Wiese vor dem Büro. Aber der Frühstücks-Smoothie macht sich ja auch nicht von allein…

Tag 14 - Mittwoch, der 08.04.2020

Über Nacht habe ich gleich drei Zugangs-Codes zum Kunden-VPN bekommen. Wuhuu! Die waren allerdings jeweils nur 60 min gültig... Neuer Versuch - und der klappt. Den Build-Prozess beobachte ich mit Zahnbürste im Mund. Wieder im Bad fällt mir ein neuer Lösungsansatz für das Verhaltensproblem meiner Checkboxen ein. Hey, mein Badezimmer ist ein ThinkTank!

Zwischen einigen Meetings schaffe ich es endlich mein Checkbox-Problem zu lösen und es passiert, was mir häufig passiert, wenn etwas klappt, an dem ich länger getüftelt habe: Reflexartig schnellen meine Arme in Luft. Und so sitze ich da: Vor drei Bildschirmen, mit angehakter Checkbox und beiden Armen in der Luft. Alleine in meiner Wohnung. Joa. Wuhu. Dann… ääh… arbeite ich mal weiter. Alleine freuen ist scheiße.

Als ich gerade Feierabend machen und eine Runde Laufen gehen möchte, meldet sich Alex bei mir und wir tüfteln noch eine Stunde gemeinsam. Und es lohnt sich. Am Ende klappt alles und ich kann mit gutem Gefühl losjoggen.

Den Rest des Abends verbringe ich wieder vor meinem Laptop: Bei dem ein oder anderen Feierabend-Bier (oder Wein. Später Gin Tonic) in der virtuellen Küche mit den Menschen, die normalerweise über 40 Stunden in der Woche um mich herum sitzen. Wie lang ist das her, dass wir in der echten Küche versackt? Wann waren wir das letzte mal im Olympiapark laufen und füllten die verbrannten Kalorien wieder mit Bier auf? Wann war eigentlich das letzte 8-Personen-Kickern mit Hüten?

Das Positive an der Quarantäne ist, dass mir täglich (schmerzlich) aufgezeigt wird, wie gerne ich mit diesen Menschen zusammenarbeite. Und das ist ein Privileg.

Tag 15 - Donnerstag, der 09.04.2020

Laptop auf dem Stehtisch

Heute starte ich erst um 9 Uhr und im Hemd! Na ja, aber vor dem together@ kann ich ja noch ganz kurz den Kram von gestern builden und releasen… Das together@ findet heute in meinem Meetingraum statt. Wo auch sonst, ist ja ein Meeting. Und dann stelle ich mir vor, wie die anderen 549 Namicsler sich diesen Live-Stream wohl anschauen. Im Schlafanzug? Vielleicht wirft der heimischen Beamer das Bild an die Wand? Mit Müslischüssel in der Hand oder sogar noch im Bett? Wie es wohl wäre, wenn wir einen 8D-Sound-Live-Stream hätte und man ständig das Gefühl hätte, Bernd würde um einen herum laufen während er spricht?

Den Rest des Tages bin ich fleißig am Entwickeln (Firefox sammelt mit seinen Entwicklertools immer mehr Pluspunkte) und da heute der zweite Donnerstag im Monat ist, haben wir t.lunch. Zwar nicht wie sonst, mit bestelltem Essen und Vorträgen, dafür aber mit Plaudereien und Problembehebungen. Kathi lädt mich noch zum Namics-Remote-Workout alias Quarantäne-Fit für die nächste Woche ein. Ob das ein Fehler war? Kurz zuvor hat sie noch von ihrem Muskelkater erzählt. Wir werden sehen.

Die letzten Stunden meiner Arbeitswoche verbringe ich wieder mit Thomas. Wir debuggen gemeinsam und am Ende reißen wir gemeinsam die Arme in die Luft. Ein schöner Wochenabschluss mit meinem Coach.

Heute Abend wartet der Akkuschrauber auf mich. Ich habe schon lange nichts mehr gebaut. Und am Wochenende steht die Steuererklärung an; und das ungeputzte Bad, und der Dachboden. Also falls noch jemand Ideen für die Freizeitbeschäftigung braucht, ich hätte da noch einige Dinge auf der Agenda (selbstverständlich auch Spaßigere). Früher dachte ich immer, ich wäre kein Büro-Typ und ich könnte keine 40 Stunden pro Woche dort verbringen. Grade frage ich mich, wann ich endlich wieder dorthin zurückdarf. 

In diesem Sinne: Ich wünsche euch frohe Ostern, erholsame Feiertage, schlagt euch die Köpfe nicht ein, ich freue mich wahnsinnig, euch wieder zu sehen!